Anforderungsprofil auf dem Prüfstand: „Unternehmerische Persönlichkeit gesucht“

Anforderungsprofil auf dem Prüfstand:
„Unternehmerische Persönlichkeit gesucht“

In immer mehr Stellenanzeigen für Fach- und Führungskräfte taucht in jüngster Zeit vermehrt ein neues Buzzword im Anforderungsprofil auf. Zunehmend werden Manager und Experten gesucht, die eine „unternehmerische Persönlichkeit“ oder „unternehmerisches Handeln“ mitbringen. Klingt schick – aber was heißt das eigentlich genau? Was erwarten die Firmen wirklich? Wie „unternehmerisch“ soll und darf der Mitarbeiter im Kontext der neuen Stelle tatsächlich handeln?

Was ist ein Unternehmer?

Was zeichnet das Ideal einer unternehmerischen Persönlichkeit aus? Unternehmer sind Macher, Gestalter und Motivatoren, sie sind selbstbewusst, kontaktfreudig, gehen positiv und offen auf Menschen zu und handeln pragmatisch. Vor allem aber sind sie getrieben von dem Wunsch, eigene Ideen umzusetzen und Entscheidungen zu treffen. Um ihre Ziele zu erreichen sind sie auch bereit dazu, Risiken einzugehen. Charakterköpfe wie diese sind also ganz anders als angepasste Angestellte mit Beamtenmentalität, die Dienst nach Vorschrift machen. Doch suchen die Firmen wirklich Menschen mit solchen bahnbrechenden Eigenschaften? Oder geht es nur darum, lediglich Mitarbeiter zu finden, die eigenständig arbeiten, verantwortungsbewusst und kreativ sind, sich dabei aber gleichzeitig stromlinienförmig in das Unternehmen einfügen?

Wahre Entrepreneure: „Kreative Zerstörer“ im Schumpeterschen Sinne

Diese letztgenannten Eigenschaften haben jedoch noch lange nichts mit wahren Entrepreneuren wie Steve Jobs, Thomas Edison oder Ferdinand Porsche zu tun. Hier zeigt sich der Kontrast zwischen dem Wunsch der Unternehmen und der tatsächlich gelebten Wirklichkeit. Diese willensstarken, schillernden und ehrgeizigen Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten haben bahnbrechende Innovationen hervorgebracht und die Welt verändert. Steve Jobs hat den Grundstein für Apple gelegt, heute eines der wertvollsten US-Unternehmen. Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne, war die Keimzelle von General Electric und Ferdinand Porsche gründete den erfolgreichen Sportwagenhersteller gleichen Namens.

Alle drei sind Vorzeige-Entrepreneure – Vollblutunternehmer, Erfinder, Marketing-Genies und „kreative Zerstörer“ im Schumpeterschen Sinne, die althergebrachte Strukturen hinterfragen, einreißen und völlig Neues hervorbringen, mit dem sie die Welt verändern. Doch häufig wird übersehen, dass der Weg an die Spitze für sie steinig und auch von zahlreichen Niederlagen und Misserfolgen geprägt war. Als angestellte Führungskräfte in einem etablierten Unternehmen wäre wohl keiner von ihnen so weit gekommen – sie wären mit Sicherheit bei den ersten größeren Fehlschlägen entlassen worden. Geschweige denn, dass sie sich den internen Strukturen überhaupt hätten anpassen können.

Unternehmertum erfordert einen positiven Umgang mit Fehlern und einen langfristigen Ansatz

 Sicher wünschen sich Unternehmen mehr Fach- und Führungskräfte in ihren Reihen, die aufgrund eigener Gedanken Ideen erzeugen, umsetzen und diese langfristig mit persönlichem Engagement zum Erfolg führen. Doch das bedeutet für die Mitarbeiter nicht nur Ideenreichtum mitzubringen und eine Unmenge an Energie in die Umsetzung der Aufgaben zu stecken. Sondern dazu gehört auch der Wagemut, unkonventionelle Wege einzuschlagen und Entscheidungen zu treffen, die auch mal in die falsche Richtung führen können. Dann muss man sie eben korrigieren und nachjustieren. Doch hier stößt das Wunschdenken der Firmen, die „Unternehmerpersönlichkeiten“ suchen, meist schnell an die Grenzen. Fehler werden selten toleriert.

Deswegen erfordert unternehmerisches Handeln neben der nötigen Entscheidungsfreiheit des Managers auch eine in der Firma gelebte Fehlerkultur im positiven Sinne. Neue Wege sind nicht zwangsläufig Einbahnstraßen zum Erfolg, sondern auch gepflastert mit Rückschläge, Durststrecken und Korrekturen. Firmen, die unternehmerische Persönlichkeiten suchen, müssen sich dessen bewusst sein, und dem neuen Mitarbeiter auch die nötige Zeit geben, um den Erfolg reifen zu lassen. Denn kurzfristiges Gewinnstreben und Quartalsdenke führen nicht zu langfristigem, nachhaltigen Erfolg.

Suchen Firmen wirklich unternehmerische Persönlichkeiten?

Und genau da beginnt der Gedanke zu reifen: Suchen Firmen wirklich unternehmerische Persönlichkeiten, wie sie in ihren Stellenanzeigen schreiben? Wahrscheinlich nicht. Ein praktisches Beispiel macht dies deutlich: Ein Vertriebsmitarbeiter mit „großer unternehmerischer“ Einstellung kommt voller Elan und Tatendrang neu an Bord eines Unternehmens. Nach 6 Monaten hat er sich eingearbeitet und legt eine neue Strategie auf den Tisch. Er will die Preisgestaltung und seinen Zielkundenbereich verändern, um ein künftig strategisch immer wichtiger werdendes Marktsegment zu erschließen. Gleichzeitig senkt er den Forecast auf kurze Sicht wegen einer speziellen Marktsituation, ist aber langfristig vom Erfolg in diesem Segment überzeugt. Fairerweise nimmt er für die Zeit der Durststrecke auch Gehaltseinbußen in Kauf. Doch das Unternehmen honoriert diese visionäre, unternehmerische Einstellung des neuen Mitarbeiters nicht. Da kurzfristige Erfolge ausbleiben, sieht man in ihm schnell einen „Low Performance“, der nicht in die Strukturen passt und man trennt sich wieder.

Fazit

Ich persönlich halte „unternehmerisches Denken und Handeln“ bei Mitarbeitern für wichtig und gut und sehe es als potenzielle Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Mein Appell geht an alle, die tatsächlich unternehmerische Persönlichkeiten suchen und das klar in ihren Stellenausschreibungen kommunizieren: Geben Sie Ihren Mitarbeitern auch wirklich die Chance, unternehmerisch zu handeln! Dazu gehört auch, Fehler und Durststrecken zu akzeptieren. Nur so können Sie „Unternehmerpersönlichkeiten“ entwickeln, die Ihre Firma langfristig weiterbringen. Sehe Sie dies als Denkanstoß für Ihre Personalstrategie. Als erfahrene Personalberater stehen wir als Sparringspartner für Sie bereit und können Sie auch bei diesen Gedanken und Planungen unterstützen und weiterbringen.

GKM – Personalberatung / Sales und Sales Managementpositionen

GKM-recruitment ist seit vielen Jahren im Bereich der Personalberatung und –Vermittlung im Umfeld des Bereiches Vertrieb – bei gehobenen Fach-, wie auch in Managementpositionen – im Bereich der Informationstechnologie tätig. Auf Grund unserer langjährig tätigen Berater und Partner stellen wir dabei unseren Kunden eine hohe Eigenexpertise in diesem Bereich zur Verfügung und verfügen über exzellente Marktkenntnisse, Marktzugänge und auch eine breite Kandidatenbasis an Vertriebsmitarbeitern und Führungskräften.

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